• Autor: Abram Svoboda
Google stellte auf seiner diesjährigen I/O-Konferenz am 12. Mai 2026 das Wear OS 7 vor – ein neues Betriebssystem für Smartwatches, das auf Android 17 basiert. Ab dem 16. Juni 2026 begann der Rollout auf der Pixel Watch 2, 3 und 4 sowie der Samsung Galaxy Watch. Weitere Wear OS-Smartwatches sollen in den kommenden Wochen und Monaten folgen. Was bringt das Wear OS 7 Betriebssystem und lohnt es sich, darauf zu warten?
Wear OS kämpft seit Langem um die Position des „zweiten“ Betriebssystems für Smartwatches – Apple hat mit watchOS eine klare Marktmehrheit, Samsung hat sich dank der Integration mit Smartphones seinen Anteil gesichert, aber das Wear OS konnte auf dem reinen Smartwatch-Markt lange Zeit nicht überzeugen. Das letztjährige Wear OS 6 hat viel Arbeit in die visuelle Vereinheitlichung und die Material-3-Designsprache gesteckt; das Wear OS 7 geht noch einen Schritt weiter und konzentriert sich auf einige Bereiche, in denen das Wear OS bisher hinterherhinkte – Widgets, Echtzeitinformationen und den Akku. Hier sind die wichtigsten Neuerungen.
Die wichtigste visuelle und funktionale Neuerung im Wear OS 7 sind Wear Widgets. Google hat das gesamte Widget-Framework überarbeitet, damit die Widgets dynamischer und besser anpassbar sind und vor allem – vollständig kompatibel mit dem Widget-Standard von Android auf dem Smartphone. Das bedeutet zweierlei:
Ein weiteres interessantes Feature: Wenn Sie auf Ihrem Smartphone mit dem Android 17 die Funktion Create My Widget (ein durch KI aus natürlicher Sprache generiertes Widget) nutzen, wird dieses Widget nun auch mit Ihrer Smartwatch synchronisiert. Sie erstellen beispielsweise ein Widget „heutiger Bitcoin-Kurs + Wetter in Prag + mein Kalender“ und erhalten es mit einer einzigen Einstellung sowohl auf Ihrem Smartphone als auch auf Ihrer Smartwatch.
Was das Design angeht, setzt das Wear OS 7 die mit dem Wear OS 6 eingeführte Material 3 Expressive-Sprache fort, ergänzt sie jedoch um "glanceable-Layouts" – Widgets bieten schneller lesbare Basisinformationen und ermöglichen durch Antippen den Zugriff auf Details. Ziel ist es, die Anzahl der Berührungen zu reduzieren, die Sie benötigen, um die wesentlichen Informationen zu erhalten.
Die zweite wichtige Neuerung sind die Live-Updates. Wenn Sie die Funktion „Live Activities“ vom iPhone oder „Always-on Activities“ von Android kennen, handelt es sich hier um dasselbe Konzept, das auf die intelligenten Uhren übertragen wurde. Ein aktiv laufender Vorgang (Essensbestellung, Sportveranstaltung, Navigation, Paketzustellung) wird Ihnen in einem speziellen UI-Element direkt auf dem Zifferblatt oder in einer Benachrichtigung angezeigt und in Echtzeit aktualisiert.
In der Praxis: Sie bestellen eine Pizza bei Wolt, Wolt sendet Ihnen Updates zum Status der Zubereitung und des Lieferanten, und Sie müssen die App nicht öffnen – ein Blick auf die Smartwatch genügt, und Sie sehen „in Zubereitung“, „unterwegs – 8 Minuten“, „zugestellt“. Genauso verhält es sich beim Verfolgen des Spiels Deutschland – Italien: Sie sehen den Spielstand, die Zeit und wer das Tor geschossen hat – alles, ohne die App zu öffnen. Eine praktische Funktion, die die Apple Watch schon seit einigen Jahren bietet, sodass Google hier eher aufholt als innovativ ist.
Entscheidend wird sein, wie schnell die Entwickler diese Funktion integrieren. Google hat die Live Updates API bereits in der Entwicklerversion veröffentlicht, und bei größeren Apps (Google Maps, Uber, Wolt, Foodora, Strava, ESPN/iSport) soll die Funktion ab dem Sommer verfügbar sein.
Wear OS hat seit langem mit der Akkulaufzeit zu kämpfen – genau wie alle wirklich intelligenten Smartwatches. Google verspricht mit dem Wear OS 7 eine um bis zu 10 % bessere durchschnittliche Akkulaufzeit im Vergleich zu Wear OS 6, und das Wichtigste dabei ist: Es handelt sich um eine reine Softwareverbesserung. Sie benötigen keine neue Smartwatch, theoretisch reicht es aus, das Update zu installieren.
Konkret hat Google die Plattform in Bezug auf die Darstellung, Hintergrundaufgaben und die Sensorverwaltung optimiert. Für jemanden, der eine Pixel Watch 3 besitzt und derzeit etwa 24 Stunden Laufzeit erreicht (mit Always-On-Display), bedeutet ein Unterschied von knapp 2,5 Stunden in der Praxis den Unterschied zwischen „Ich muss jeden Tag aufladen“ und „Ich lade sie erst am nächsten Tag zur Mittagszeit auf“. Eine Kleinigkeit, die man aber bemerkt.
Bei der Pixel Watch 2 (dem ältesten Modell, für das ein Update verfügbar ist) wird der Nutzen wahrscheinlich geringer, aber dennoch spürbar sein. Bei der Galaxy Watch und den Modellen anderer Hersteller hängt es davon ab, wie sich deren Anpassungen an Wear OS 7 auswirken – One UI 9 Watch könnte die tatsächlichen Verbesserungen teilweise zunichte machen.
Genau wie beim Android 17 setzt Google auch beim Wear OS 7 auf seine neu vorgestellte Gemini Intelligence – eine agentenbasierte KI-Ebene, die mehrstufige Aufgaben systemübergreifend ausführen kann. Auf der Smartwatch bedeutet das zum Beispiel: „Schick Anika eine Nachricht, dass ich mich um 15 Minuten verspäte, und trage einen Termin um 16:00 Uhr in den Kalender ein.“ Die Smartwatch erledigt das, ohne dass man das Smartphone herausholen muss.
Ein großer Haken ist jedoch: Gemini Intelligence funktioniert nur auf den neuesten Smartwatches mit Gemini Nano v3, was eine Hardwareanforderung ist, die in der Praxis nur von Smartwatches erfüllt wird, die im Jahr 2026 und später auf den Markt kommen. Die Pixel Watch 4 ja, die Pixel Watch 3 und ältere Modelle tun dies nicht. Die Galaxy Watch 8 ja (nach Bereitstellung von One UI 9 Watch), ältere Galaxy Watch-Modelle auch nicht. Wenn Sie eine ältere Smartwatch besitzen, erhalten Sie zwar das Wear OS 7 mit Widgets und Live-Updates, aber Gemini Intelligence wird Ihnen leider vorenthalten bleiben.
Der klassische Google Assistant und ältere Gemini-Funktionen funktionieren jedoch auch auf älteren Smartwatches weiterhin – nur der neue Agent-Modus nicht.
Die Pixel Watch erhält als erste das Wear OS 7; der Rollout begann am 16. Juni 2026 (zusammen mit dem Android 17). Das Update ist verfügbar für:
Bei Samsung wird das Wear OS 7 in Form des Skins One UI 9 Watch erscheinen, der voraussichtlich im Juli 2026 verfügbar sein wird – wahrscheinlich zunächst für die Galaxy Watch 8 und die Galaxy Watch 8 Classic, nach und nach dann auch für weitere Modelle. Samsung hat die genaue Liste bislang noch nicht bestätigt, aber es wird erwartet, dass die Galaxy Watch 6 und 7 das Update im Laufe des Sommers und Herbstes erhalten, während die Galaxy Watch 5 und Watch 4 wahrscheinlich beim One UI 8 Watch bleiben werden.
Xiaomi, OnePlus und Oppo mit Wear OS-Uhren werden nach und nach hinzukommen – einen konkreten Zeitplan haben die Hersteller bislang noch nicht veröffentlicht, doch angesichts des Rollout-Musters bei früheren Versionen ist mit einem Start im Herbst 2026 und einer schrittweisen Ausweitung bis ins Jahr 2027 zu rechnen.
Ein Bonus für Fans des Google-Ökosystems: Das Wear OS 7 bietet nun Unterstützung für die Steuerung der Google Smartglasses, die Google auf der I/O 2026 vorgestellt hat. Wenn Sie sich diese Smartglasses zulegen, fungiert die Pixel Watch als Fernbedienung dafür – zum Umschalten zwischen Modi, zum Annehmen von Anrufen und zur Musiksteuerung.
Bei der Pixel Watch ist die Installation ganz einfach. Gehen Sie auf der intelligenten Uhr zu Einstellungen → System → Systemaktualisierung – sofern ein Update verfügbar ist, finden Sie es dort. Da die Bereitstellung schrittweise erfolgt, kann es bis zu einer Woche dauern, bis das Update für alle Nutzer verfügbar ist.
Bei der Galaxy Watch und anderen Marken müssen Sie auf den jeweiligen Rollout des Herstellers warten. In der App „Galaxy Wearable“ / „Samsung Health“ oder der entsprechenden Hersteller-App finden Sie einen Bereich mit System-Updates.
Das Wear OS 7 ist der bedeutendste Sprung für das Wear OS im letzten Jahr. Ein mit dem Smartphone kompatibles Widget-System, Live-Updates und eine um 10 % verbesserte Akkulaufzeit sind Dinge, auf die die Nutzer wirklich lange gewartet haben. Gemini Intelligence ist zwar auf die neue Smartwatch-Generation beschränkt, aber auch die anderen (älteren Modelle) erhalten genügend Verbesserungen, damit sich das Update lohnt. Wenn Sie eine Pixel Watch 2, 3 oder 4 besitzen, zögern Sie nicht – das Wear OS 7 wird Ihr Smartphone am Handgelenk deutlich beleben.