• Autor: Jan Vavřík
Google Assistant war viele Jahre lang eine der bekanntesten Stimmen von Android. Man musste nur „Hey Google“ sagen, und schon konnte man telefonieren, suchen, planen oder beispielsweise die Beleuchtung im Smart Home steuern. Doch nun steht ein Wechsel bevor. Google rückt seinen langjährigen Assistenten nach und nach in den Hintergrund und überträgt die Hauptrolle an Gemini, das dank künstlicher Intelligenz deutlich größere Ambitionen hat. Wann genau wird sich der Assistant verabschieden, was wird Gemini von ihm übernehmen und wird diese Änderung auch für uns als Nutzer etwas bedeuten?
„Hey Google, stell den Wecker auf sieben.“ Dieser Satz, den Besitzer von Android-Smartphones schon seit vielen Jahren verwenden, wird wohl so schnell nicht verschwinden. Es wird sich jedoch ändern, wer darauf antwortet. Google plant nämlich definitiv, seinen Sprachassistenten durch Gemini zu ersetzen. Die Umstellung soll bereits am 4. September 2026 beginnen und anschließend mehrere Wochen dauern. Der Assistant wird also nicht für alle Nutzer wie mit einem Zauberstab verschwinden, doch seine Tage auf Android-Smartphones sind endgültig gezählt.
Der Grund dürfte wohl niemanden sonderlich überraschen. Der klassische Assistant entstand zu einer Zeit, als es das Nonplusultra der mobilen Assistenz war, einen Kontakt anzurufen, Musik abzuspielen, das Wetter abzurufen oder an Einkäufe zu erinnern. Gemini basiert bereits auf generativer künstlicher Intelligenz, und Google hat damit wesentlich größere Pläne. Es geht also nicht nur darum, einen Assistenten durch einen anderen zu ersetzen. Vor allem ändert sich, was wir von einem solchen Helfer erwarten können.
Über die Ablösung von Google Assistant durch den Dienst Gemini wird schon seit längerer Zeit gesprochen, und Google hatte ursprünglich mit einem schnelleren Übergang gerechnet. Letztendlich hat man sich jedoch mehr Zeit genommen, damit der neue Assistent möglichst viele der üblichen Funktionen seines Vorgängers übernehmen kann. Nun steht ein konkreter Termin fest. Der Prozess soll am 4. September beginnen, und in den folgenden Wochen wird der Assistant nach und nach von den Mobilgeräten verschwinden.
Die Änderung betrifft in erster Linie Android-Smartphones und -Tablets, wird sich aber nach und nach auch auf mit dem Handy verbundene Geräte auswirken, beispielsweise Smartwatches, Kopfhörer oder Android Auto. Der Termin im September bedeutet jedoch nicht, dass der Assistant auf allen Google-Geräten einheitlich deaktiviert wird. Die Umstellung auf Gemini erfolgt auch bei anderen Gerätekategorien separat, beispielsweise bei Smart-Lautsprechern und -Displays, Fernsehern oder Autos.
Wer sich im Laufe der Jahre an den Befehl „Hey Google“ gewöhnt hat, muss kein neues Zauberwort lernen. Gemini lässt sich in Android als Hauptassistent einrichten und anschließend ähnlich wie sein Vorgänger aufrufen, beispielsweise per Sprachbefehl oder durch langes Drücken der Ein-/Aus-Taste. Und genau hier endet die Ähnlichkeit der beiden Assistenten allmählich.
Der Unterschied zwischen den beiden Assistenten wird bereits im alltäglichen Gebrauch deutlich. Den Assistant haben wir in der Regel um eine bestimmte Aufgabe gebeten, und damit war unsere kurze Zusammenarbeit beendet. Gemini kann man Text bearbeiten oder den Bildschirminhalt zusammenfassen lassen, nach einem Foto fragen oder man kann mit ihm eine vorherige Unterhaltung fortsetzen. Google verknüpft ihn zudem mit seinen eigenen Apps und Diensten, sodass er sich nicht nur auf die Beantwortung der gestellten Frage beschränken muss.
Dabei wurde auch die gute alte Assistenzarbeit nicht vergessen. Gemini kann beispielsweise über die Handy-App einen gespeicherten Kontakt, ein Unternehmen oder eine bestimmte Nummer anrufen und bewältigt auch andere alltägliche Aufgaben. Das Einstellen eines Weckers hat er also definitiv nicht vergessen – nur ist dies neben den anderen Fähigkeiten nicht gerade ein Punkt, den er ganz oben in seinen Lebenslauf schreiben müsste. Gemini ist deutlich vielseitiger, doch Google Assistant bietet nach wie vor einige Funktionen, die sein Nachfolger noch nicht vollständig ersetzen kann. Google weist übrigens selbst darauf hin. Auch deshalb erfolgt der Übergang schrittweise, und der ursprüngliche Assistant wird noch eine Weile Teil ausgewählter Geräte und Dienste bleiben. Der Wechsel bei Android wird also nicht an einem einzigen Nachmittag über die Bühne gehen.
Auch die Sprache und die Region spielen eine Rolle. Gemini unterstützt Deutsch, doch die Sprachunterstützung allein bedeutet nicht, dass alle Funktionen auf Deutsch in derselben Form verfügbar sind wie auf Englisch. Unterschiede können beispielsweise bei den Sprachfunktionen oder der Anbindung an einzelne Dienste bestehen. Google baut die Unterstützung kontinuierlich aus, sodass die derzeitigen Einschränkungen möglicherweise nicht endgültig sind.
Eine der Funktionen, an denen sich der neue Ansatz am besten erkennen lässt, ist Gemini Live. Dank künstlicher Intelligenz ermöglicht es eine viel natürlichere Kommunikation, wobei man während des Gesprächs fortlaufend nachfragen oder die ursprüngliche Anfrage ändern kann. Sie müssen also nicht jedes Mal von vorne anfangen und einen neuen Befehl formulieren. Gemini behält den Kontext des Gesprächs bei und versucht, auf das einzugehen, worüber Sie gerade gesprochen haben.
Noch interessantere Möglichkeiten ergeben sich in Verbindung mit der Kamera und der Bildschirmfreigabe. Sie können Gemini einen Gegenstand vor sich, ein Foto oder den Inhalt einer App zeigen und sofort mit dem Fragen beginnen. Genau hier ist der Unterschied zum klassischen Assistenten wohl am deutlichsten. Anstelle eines Assistenten, der auf einen genauen Befehl wartet, möchte Google einen Begleiter schaffen, der zunächst versteht, womit Sie sich gerade beschäftigen, und erst dann an die Arbeit geht.
Google Assistant war viele Jahre lang ein fester Bestandteil von Android und kümmerte sich vor allem um einfachere Aufgaben wie das Einstellen eines Weckers, das Tätigen eines Anrufs oder das Abrufen der Wettervorhersage. Gemini übernimmt nach und nach seine Rolle, funktioniert aber etwas anders. Dank generativer KI kann es besser mit dem Kontext und verschiedenen Arten von Inhalten umgehen und die Verknüpfungen mit anderen Apps und Diensten nutzen.
Für Google geht es also nicht nur um das Ende eines bekannten Dienstes, sondern vor allem um eine Veränderung des Konzepts des mobilen Assistenten an sich. „Hey Google“ wird daher nicht von unseren Smartphones verschwinden. Wenn wir diesen Befehl jedoch in einiger Zeit aussprechen, wird Gemini für die Antwort zuständig sein.