• Autor: Jozef Kišantal
Xiaomi hat die neue Generation seines Betriebssystems HyperOS 4 vorgestellt. Diesmal geht es nicht nur um einige neue Funktionen und überarbeitete Animationen. Der Hersteller hat tiefgreifende Änderungen an der Funktionsweise des Systems vorgenommen, die Optik der Benutzeroberfläche überarbeitet und widmet auch der künstlichen Intelligenz große Aufmerksamkeit. Das neue HyperOS 4 soll auch nach längerer Nutzung schneller sein, bringt transparente grafische Elemente im Soft-Light-Glass-Design und in der chinesischen Version zudem den deutlich leistungsfähigeren Assistenten Super XiaoAI 2.0. Die erste Beta wurde bereits an Nutzer verteilt, auf die globale Veröffentlichung müssen wir jedoch vorerst noch warten.
Eine der auffälligsten Änderungen von HyperOS 4 ist die neue grafische Gestaltung der Benutzeroberfläche. Xiaomi verwendet eine Designsprache mit der Bezeichnung Soft Light Glass. Die transparenten Elemente sollen auf die umgebenden Farben und den Bildschirminhalt reagieren, während das System bei Berührungen oder beim Verschieben von Objekten Lichteffekte nutzt, die den einzelnen Elementen mehr räumliche Tiefe verleihen sollen.
Doch nicht nur Farben und Effekte wurden verändert. Xiaomi hat auch den Sperrbildschirm überarbeitet, auf dem sich das Erscheinungsbild der Uhr flexibler anpassen lässt. Benachrichtigungen können übereinandergestapelt werden und Nutzer können sie nacheinander durchgehen. Auf dem Startbildschirm lässt sich die Größe von Ordnern ändern, neu ist außerdem das Stapeln mehrerer Widgets auf einer gemeinsamen Fläche, zwischen denen anschließend gewechselt werden kann.
Der Hersteller führt zudem ein neues schwebendes Framework für seine eigenen Apps ein. Die Benutzeroberfläche soll sich besser an unterschiedliche Displaygrößen von Smartphones und Tablets anpassen und Nutzern einen besseren Zugriff auf die wichtigsten Bedienelemente bieten.
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Nicht alle Smartphones stellen HyperOS 4 gleich dar. Xiaomi weist darauf hin, dass das vollständige Soft-Light-Glass-Material und die dazugehörigen Lichteffekte aufgrund der Hardwareanforderungen vor allem für Geräte mit Snapdragon 8 Elite und neuer, Dimensity 9500 und neuer oder XRING-O1-Chips und höher vorgesehen sind. Auf schwächeren Geräten kann ein Teil der visuellen Effekte eingeschränkt sein.
Möglicherweise noch wichtigere Änderungen finden unter der Oberfläche statt. Xiaomi entwickelt seine eigenen HyperCore-Technologien weiter und konzentriert sich vor allem auf die Steuerung der Systemlast, die Speicherverwaltung und die Umgebung, in der Apps ausgeführt werden. Ziel ist nicht nur ein schnelleres, frisch gestartetes Smartphone, sondern auch, dass das System nach mehreren Stunden intensiver Nutzung nicht an Reaktionsgeschwindigkeit verliert.
Der Hersteller verglich beispielsweise HyperOS 3 und HyperOS 4 auf dem Xiaomi 17 Ultra. Nach neun Stunden Nutzung dauerte das schrittweise Starten von 30 Apps mit der älteren Systemversion 169,4 Sekunden. HyperOS 4 bewältigte dieselbe Aufgabe in 139,7 Sekunden, was einer Verkürzung der Zeit um 17,5 % entspricht.
Auch die Kamera soll schneller werden. Xiaomi maß im selben Labortest eine Verkürzung des Kaltstarts der Kamera von 1 043,6 auf 808,8 ms und der Aufnahme eines HDR-Fotos von 313,38 auf 240,16 ms.
Auch die Angaben zur Flüssigkeit der Darstellung sehen interessant aus. Beim Abspielen und Durchscrollen kurzer Videos nennt Xiaomi eine durchschnittliche Rate ausgelassener Frames von 0,11 % statt 1,27 % bei HyperOS 3. Nach neun Stunden Nutzung lagen die Werte bei 0,22 % gegenüber 1,61 %. Dabei handelt es sich allerdings um interne Labormessungen von Xiaomi auf dem Xiaomi 17 Ultra, sodass der konkrete Nutzen je nach Smartphone und Nutzungsweise variieren kann.
Einen großen Teil der Neuerungen bildet die künstliche Intelligenz. Xiaomi hat in der chinesischen Variante von HyperOS 4 den neuen Assistenten Super XiaoAI 2.0 vorgestellt, der die eigenen Xiaomi-MiMo-Modelle nutzt. Sein Anspruch soll nicht mehr nur darin bestehen, Fragen zu beantworten. Der Assistent soll tieferen Zugriff auf das System erhalten und in der Lage sein, mehrstufige Aufgaben auszuführen.
Längere Aufgaben lassen sich in den Hintergrund verlagern und ihr Fortschritt kann über Xiaomi Super Island verfolgt werden. Nutzer müssen dadurch nicht im geöffneten Fenster des Assistenten warten und können das Smartphone weiterverwenden. Nach Abschluss wird das Ergebnis wieder angezeigt.
Eine interessante Neuerung ist der Inspiration Ball. Nutzer können Inhalte direkt auf dem Bildschirm markieren und per Sprache mitteilen, was damit geschehen soll. Xiaomi demonstriert beispielsweise das Starten der Navigation zu einer angezeigten Adresse, das Finden desselben Produkts, das Erstellen eines Termins anhand von Angaben in einer Unterhaltung oder die Bearbeitung eines bestimmten Bereichs eines Fotos.
Diese Funktion wird allerdings nicht Bestandteil der allerersten Beta sein. Xiaomi gibt an, dass der Inspiration Ball über ein OTA-Update im September erscheinen und standardmäßig deaktiviert sein soll.
Super XiaoAI 2.0 ergänzt außerdem einen Expertenmodus. Darin kann der Assistent mit Apps und Daten auf dem Smartphone arbeiten und komplexere Anforderungen in mehrere Schritte unterteilen. Xiaomi zeigt beispielsweise das automatische Suchen geeigneter Fotos und das Erstellen eines Albums, die Planung eines Ausflugs anhand gespeicherter Orte, die Steuerung des Smart Homes oder die Vorbereitung des Autos vor der Abfahrt.
Die KI wird auch auf weitere Bereiche des Systems ausgeweitet. Der Sprachrekorder kann die Aufzeichnung eines Meetings verarbeiten und eine Übersicht der wichtigsten Punkte erstellen, Notizen unterstützen Sprachnotizen und die automatische Organisation von Inhalten, und die KI-Eingabemethode kann Formulierungen anpassen oder zwischen Chinesisch und Englisch übersetzen. Die Funktion zur automatischen Annahme und Zusammenfassung von Anrufen soll laut Xiaomi ungefähr Mitte September erscheinen.
Für europäische Nutzer ist jedoch ein Punkt wesentlich: Die detaillierte Liste dieser Funktionen und Termine nennt Xiaomi derzeit für die chinesische Version von HyperOS 4. Daher ist nicht sicher, welche Funktionen von Super XiaoAI 2.0 später auch im globalen System erscheinen und ob Xiaomi sie außerhalb Chinas durch eine andere Lösung ersetzt.
Der Name HyperOS deutet von Anfang an darauf hin, dass Xiaomi das System nicht nur auf Smartphones beschränken möchte. Die vierte Generation setzt diesen Weg fort. Das überarbeitete Zentrum für vernetzte Geräte ermöglicht es, die am häufigsten verwendeten Geräte anzuheften und schnell zwischen mehreren Smart Homes zu wechseln.
Super XiaoAI 2.0 soll seine Arbeit zudem geräteübergreifend fortsetzen können. Xiaomi zeigt beispielsweise die Möglichkeit, vom Smartphone aus eine auf dem Computer gespeicherte Datei zu suchen oder eine Unterhaltung mit der KI auf dem Computer zu beginnen und anschließend auf dem Smartphone unter Beibehaltung des Kontexts fortzusetzen.
Unterstützt werden Windows-Computer und Macs mit Apple-Silicon-Chips, wobei bestimmte Funktionen die entsprechenden Versionen der Xiaomi-Apps voraussetzen. Der Hersteller erweitert sein Ökosystem damit schrittweise auch über die eigene Hardware hinaus.
Weitere Änderungen betreffen Xiaomi Super Island. Die Zahl der unterstützten Dienste überschritt nach Angaben des Herstellers zum 31. Juli 130, und HyperOS 4 ergänzt eine separate Seite, auf der sich die einzelnen Dienste verwalten lassen.
Die erweiterten Befugnisse der künstlichen Intelligenz erhöhen zugleich die Anforderungen an die Sicherheit. Xiaomi gibt daher an, dass das System beim Bearbeiten, Löschen oder Senden sensibler Daten eine zusätzliche Bestätigung durch den Nutzer verlangen soll. Bei gesperrtem Smartphone soll Super XiaoAI keine Fragen beantworten, die sensible personenbezogene Daten betreffen. Im Expertenmodus lassen sich zudem die Quellen gespeicherter Erinnerungen verwalten und einzelne Informationen löschen.
Die erste chinesische Beta von HyperOS 4 wurde ab dem 14. August 2026 verteilt. Xiaomi hat die Testverteilung in mehrere Wellen aufgeteilt.
Ab 14. August:
Ab 27. August:
Ab 17. September:
Die oben aufgeführte Liste bezieht sich auf das Beta-Programm für Festlandchina. Xiaomi weist zugleich darauf hin, dass sich konkrete Modelle und Termine noch ändern können. Einen genauen Zeitplan für die globale Einführung hat das Unternehmen bislang nicht veröffentlicht.
HyperOS 4 wirkt in jedem Fall wie ein deutlich größeres Update als eine rein visuelle Auffrischung. Xiaomi verändert das Systemdesign, versucht die Flüssigkeit bei langfristiger Nutzung zu verbessern und entwickelt vor allem die künstliche Intelligenz vom einfachen Chatten hin zu einem Agenten weiter, der tatsächlich mit Apps, Dateien und weiteren Geräten arbeiten kann. Für deutsche Nutzer wird nun besonders interessant sein, wie viele der vorgestellten KI-Neuerungen auch in die globale Version gelangen.