• Autor: Redakce
Motorola hat bei Smartwatches lange Zeit auf Einfachheit und einen niedrigen Preis gesetzt. Mit dem Modell Motorola Moto Watch Ultra zielt das Unternehmen nun jedoch eine Stufe höher. Im Vergleich zu der herkömmlichen Moto Watch kommen nun das vollwertige Wear OS, eine eigene LTE-Verbindung sowie Sport- und Gesundheitsfunktionen hinzu, die in Zusammenarbeit mit Polar entwickelt wurden. Die Bezeichnung „Ultra“ verspricht dabei kein robustes Outdoor-Gerät. Das neue Modell versteht sich vielmehr als vielseitige Premium-Uhr, die sich sowohl für den Alltag als auch für das Training eignet.
Wer aufgrund der Bezeichnung „Ultra“ mit imposanten Abmessungen und kantigen Formen rechnet, wird wahrscheinlich überrascht sein. Die Moto Watch Ultra verfügt über ein rundes Gehäuse aus Edelstahl mit einem Durchmesser von etwa 46 mm und präsentiert sich gestalterisch eher unauffällig. Die gehobene Klasse zeigt sich hier vor allem in der Ausstattung, nicht in einer massiven Bauweise.
Für die Widerstandsfähigkeit sorgen die Schutzklasse IP68 und die Norm 5 ATM, sodass Regen, Schweiß oder Schwimmen im Schwimmbad der Uhr nichts anhaben können. Ein praktisches Detail sind die standardmäßigen 22-mm-Armbänder. Der Nutzer ist nicht auf Zubehör von Motorola angewiesen und kann die Uhr problemlos sowohl an sportliche als auch an formellere Outfits anpassen.
Ein Punkt trübt jedoch die Premium-Ambitionen. Das Display ist mit Gorilla Glass 3 geschützt, während die Samsung Galaxy Watch Ultra, die Apple Watch Ultra 4 sowie die Garmin Fenix 9 Saphirglas verwenden. Bei Uhren mit „Ultra“ im Namen, die für Trainingseinheiten und im Gelände gedacht sind, merkt man das – normales Hartglas bekommt deutlich schneller Kratzer.
Hinter dem Glas verbirgt sich ein rundes 1,5-Zoll-pOLED-Panel. Interessanter als die Diagonale ist jedoch die maximale Helligkeit von 2.700 Nit, mit der sich das neue Modell auch im Vergleich zur Premium-Konkurrenz gut behauptet. Die Lesbarkeit bei direkter Sonneneinstrahlung sollte somit kein Problem darstellen, und auch ein Always-On-Modus für ein permanent angezeigtes Zifferblatt fehlt nicht.
Zum Vergleich: Die kürzlich vorgestellte Apple Watch Ultra 4 erreicht bis zu 3.000 Nit, also denselben Wert wie die Vorgängergeneration. Ein Unterschied von wenigen hundert Nits ist in der Praxis jedoch für niemanden wahrnehmbar und stellt kein entscheidendes Kaufargument dar. Viel ausschlaggebender ist, wie das Display mit der automatischen Helligkeitsregelung und Reflexionen umgeht – das wird sich erst bei längerem Einsatz im Freien zeigen.
Das Betriebssystem ist offenbar die größte Neuerung, die das neue Modell mit sich bringt. Die Basisversion der Moto Watch läuft auf einer eigenen Plattform, bietet die wesentlichen Funktionen und verfügt über eine lange Akkulaufzeit. Die Ultra-Modelle hingegen sind mit Wear OS 6 ausgestattet, mit allem, was dazugehört – also vor allem mit Apps aus dem Google Play Store. Motorola verspricht zudem zwei weitere große Updates für das Betriebssystem.
Für die Leistung sorgt der Snapdragon W5+ Gen 1. Unter den Chips für Wear OS gehört er zwar nicht mehr zu den neuesten, doch für Benachrichtigungen, Apps und den normalen Betrieb bleibt noch Leistungsreserve. Die Frage ist vielmehr, wie es dem Hersteller gelungen ist, Leistung und Verbrauch in Einklang zu bringen – gerade das ist bei vollwertigen Smartwatches oft der heikelste Punkt.
Den Gesundheits- und Sportbereich hat Motorola nicht von Grund auf neu entwickelt. Das Unternehmen setzt seine Zusammenarbeit mit Polar fort, das über langjährige Erfahrung in der Auswertung von Trainings- und Gesundheitsdaten verfügt. Neben Herzfrequenz und Blutsauerstoffsättigung überwacht die Uhr somit auch Schlaf, Regeneration, Bewegungsintensität und Energieverbrauch.
Was den Schlaf angeht, begnügt sich das neue Modell nicht mit der Angabe, wie viele Stunden Sie geschlafen haben. Es unterscheidet zwischen den einzelnen Schlafphasen und versucht zu bewerten, wie gut sich der Körper über Nacht erholt hat. Zum Lieferumfang gehören auch Tools für Stressbewältigung, Atemübungen und Kennzahlen, die dabei helfen, die tägliche Bewegung einzuschätzen.
Die letzte Ebene betrifft die Energieausgabe, sowohl während des Trainings als auch im Laufe des gesamten Tages. Die Partnerschaft mit Polar ist für Motorola ein eleganter Weg zu fortschrittlicheren Funktionen. Wie genau die Sensoren unter dem Gehäuse sind, wird sich jedoch erst im Test zeigen – denn selbst die beste Software kann schwache Hardware nicht retten.
Die Position wird von dem neuen Modell mit Dual-Band-GPS gemessen. Dieses kommt besser mit Umgebungen zurecht, in denen das Signal reflektiert wird: zwischen hohen Gebäuden, in dichten Wäldern oder in engen Tälern. Zwei Frequenzbänder allein garantieren jedoch noch keine Genauigkeit auf dem Niveau der besten Sportuhren – viel hängt auch von der Antenne und der Datenverarbeitung ab.
Ergänzt wird die Sportausstattung durch geführte Lauf- und Walking-Trainings sowie die bereits erwähnten Polar-Kennzahlen zu Intensität, Regeneration und Energieverbrauch. Motorola will Garmin offenbar nicht mit der Anzahl der Diagramme übertrumpfen. Das Unternehmen möchte in klassischen Uhren mit Wear OS eine Sportfunktion integrieren, die auch den Ansprüchen aktiverer Nutzer gerecht wird.
Ein Merkmal unterscheidet die Ultra am deutlichsten von den günstigeren Moto Watch-Modellen – die LTE-Unterstützung über eSIM. Bei den unterstützten Netzbetreibern können die Uhren Anrufe, Nachrichten und Datenverbindungen bewältigen, ohne dass ein Smartphone in der Tasche sein muss. Die Verfügbarkeit der Mobilfunkverbindung und die konkreten Bedingungen variieren jedoch von Markt zu Markt und hängen davon ab, ob die Netzbetreiber das neue Modell unterstützen.
Zur Verfügung steht NFC und Google Wallet, sodass man mit der Uhr an Terminals bezahlen kann. Wear OS bietet zudem Apps aus Google Play, Musik, Karten und eine zuverlässige Benachrichtigungsfunktion. Genau hier liegt der größte Unterschied zu Uhren mit einem proprietären Betriebssystem.
In das System integriert sind außerdem Google Gemini und die eigene Assistentin Motorola Qira. Gemini bearbeitet Sprachanfragen und arbeitet mit unterstützten Apps zusammen, während Qira vor allem innerhalb des Ökosystems von Motorola und Lenovo Sinn macht. Besitzer von Smartphones anderer Marken werden daher vor allem von der Standardausstattung von Wear OS und den Google-Diensten profitieren.
Das neue Modell verdeutlicht den Hauptkompromiss von Wear OS. Während der Hersteller die Basisversion der Moto Watch mit einer Akkulaufzeit von bis zu 13 Tagen bewirbt, schafft die Ultra bei deaktiviertem Always-On-Display gerade einmal zwei Tage bei aktiver Nutzung. Der Unterschied ist gewaltig.
Für Wear OS-Verhältnisse ist eine Laufzeit von zwei Tagen nichts Außergewöhnliches, doch wer von einer einfacheren Moto Watch umsteigt, wird den Unterschied bereits in der ersten Woche bemerken. Das soll durch schnelles Laden ausgeglichen werden: Fünfzehn Minuten am Ladegerät sollen Energie für bis zu weitere 24 Betriebsstunden liefern. Die tatsächlichen Werte werden dann vor allem durch GPS, LTE, hohe Helligkeit und häufigere Trainingseinheiten beeinträchtigt.
| Parameter / Modell | Motorola Moto Watch Ultra |
|---|---|
| Display | 1,5" pOLED |
| Maximale Helligkeit bis zu 2.700 Nit | |
| Always-On Display, Gorilla Glass 3 | |
| Konstruktion | Rundes Gehäuse mit etwa 46 mm |
| Edelstahl | |
| Standard-22mm-Armbänder | |
| System und Leistung | Wear OS 6 |
| Qualcomm Snapdragon W5+ Gen 1 | |
| 2 weitere versprochene Aktualisierungen des Betriebssystems | |
| Gesundheitsfunktionen | Herzfrequenz, SpO₂, Schlaf, Stress |
| Schlafanalyse und Regeneration | |
| Sport- und Gesundheitsfunktionen Powered by Polar | |
| Sport | Dual-Band-GPS |
| Geführte Lauf- und Walking-Trainings | |
| Smarte Funktionen | LTE mit eSIM-Unterstützung |
| NFC und Google Wallet | |
| Google Play und App für Wear OS | |
| Google Gemini, Motorola Qira | |
| Widerstandsfähigkeit | IP68 |
| 5 ATM | |
| Akku | Bis zu 2 Tage aktiver Nutzung bei ausgeschaltetem AOD |
| 15 Minuten Ladezeit für bis zu 24 Stunden aktive Nutzung | |
| Europäischer Preis | Ab 429 EUR |
Die Moto Watch Ultra wurde Anfang September 2026 auf der IFA in Berlin vorgestellt. Der empfohlene Verkaufspreis in Europa beginnt bei 429 Euro, und die Uhren sollen nach und nach in ausgewählten Märkten in Europa, im Nahen Osten, in Nord- und Lateinamerika sowie in Teilen Asiens erhältlich sein.
Gerade der Preis stellt das neue Modell vor eine starke Konkurrenz. Die Galaxy Watch verfügt über ein ausgereiftes Wear-OS-Ökosystem, die Pixel Watch profitiert von der engen Verknüpfung mit Google-Diensten und Garmin hat einen Vorsprung bei der Sportanalyse und der Akkulaufzeit. Motorola setzt dagegen auf LTE, ein vollwertiges Betriebssystem und das Know-how von Polar. Auf dem Papier ist das eine interessante Kombination. Entscheidend werden jedoch die Qualität der Sensoren, die Feinabstimmung der Software und die tatsächliche Akkulaufzeit der Uhr sein.